Das DAX-Sparbuch der Postbank
„Ohne Risiken vom DAX profitieren” lautet der Slogan, mit dem die Postbank für ihr so genanntes DAX-Sparbuch wirbt. Grund genug, uns einmal näher mit diesem Produkt zu beschäftigen, sind doch gerade Sparbücher nicht für ihre hohen Zinsen bekannt bzw. werben Banken hierbei immer wieder mit Sprüchen, die sich bei genauere Betrachtung nur als heiße Luft entpuppen.
Schaut man sich die Produktseite der Postbank für das DAX-Sparbuch einmal genauer an (http://www.postbank.de/privatkunden/pk_dax_sparbuch.html), so fallen die Haken und Ösen schnell auf.
Geworben wird damit, dass man von einer positiven DAX-Entwicklung profitieren kann, von einer negativen Entwicklung des Index nicht betroffen ist und bis zu 2,20 Prozent Basiszins bekommt.
So gesehen suggeriert die Postbank eine Win-Win Situation für Anleger, denn egal wie sich der DAX entwickelt, die sind immer auf der sicheren Seite.
Doch gerade solche Aussagen machen uns immer wieder stutzig, denn keine Bank verschenkt Geld und auch Sicherheit gibt es bei der Geldanlage nur gegen entsprechende Abschläge bei der erzielbaren Rendite.
Also schauen wir uns die Details zu diesem Angebot einmal ganz genau an (Stand: 24.01.2008):
Folgende Zinsen gelten für das DAX-Sparbuch der Postbank:
| Guthaben | Basiszins pro Jahr |
| unter 5.000 Euro | 0,50 % |
| ab 5.000 Euro | 1,70 % |
| ab 15.000 Euro | 1,90 % |
| ab 25.000 Euro | 2,00 % |
| ab 50.000 Euro | 2,20 % |
Da haben wir schon den ersten Haken: die beworbenen 2,20 Prozent gibt es erst ab einem Guthaben von 50.000 Euro.
Die Mehrzahl der Sparer werden wohl eher im Bereich von 5.000 bis 25.000 Euro bleiben und sich von daher mit Basiszinsen von 1,70 bis 2,00 Prozent begnügen müssen.
Aber es gibt ja noch den so genannten DAX-Bonus, also die variable Komponente der Verzinsung, die von der Wertentwicklung des DAX abhängig gemacht wird.
Für ihn gilt: Sparer erhalten zusätzlich zum Basiszins die Hälfte der positiven prozentualen Entwicklung des DAX für den laufenden Monat als Zinsbonus. Begrenzt wird dieser Zinsbonus auf 5 Prozent pro Jahr.
Laut eigenen Berechnungen der Postbank ergibt sich bei 25.000 Euro Anlagesumme inklusive dieser Bonusregel eine jährliche Rendite des DAX-Sparbuches wie folgt:
| Jahr | Rendite |
| 2001 | 3,08 % |
| 2002 | 3,19 % |
| 2003 | 3,71 % |
| 2004 | 2,50 % |
| 2005 | 2,96 % |
| 2006 | 2,58 % |
| 2007 | 3,10 % |
| durchschnittliche Jahresrendite | 3,01 % |
Mit dieser Rendite liegt das DAX-Sparbuch meilenweit von mehrjährigen Festgeldern entfernt, die sich - wie in unserem Festgeld-Vergleich zu sehen - im Bereich von 4,00 bis 4,40 Prozent pro Jahr bewegen.
Selbst bei einem Blick in einen aktuellen Tagesgeld-Vergleich zeigt sich, dass mit einem reinrassigen Tagesgeldkonto bis zu 50 Prozent höhere Renditen erzielbar sind.
Und da gehen die oben dargestellten Renditeberechnungen der Postbank schon von 25.000 Euro aus, die auf diesem Sparbuch angelegt werden.
Legt ein Sparer hingegen nur 10.000 Euro an, würde sich seine Rendite für 2007 nicht auf die angegebenen 3,10 Prozent belaufen, sondern nur auf 2,84 Prozent.
Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass die Börse nun mal keine Einbahnstrasse ist, wie uns die Kursverluste der letzten Tage bewiesen haben. In einem solchen Umfeld können Sparer mit dem DAX-Sparbuch keine Bonuszinsen erwarten, sondern müssen sich mit mageren 0,50 bis 2,20 Prozent zufrieden geben.
Ein Wert, welcher deutlich unterhalb der Inflation der letzten Monate (über deren Entwicklung berichtet unter anderem der folgende Blog-Beitrag: „EZB lässt Referenzwert für Geldmengenentwicklung sterben“) liegt und so gesehen also eher zur Geldvernichtung, denn zur Geldvermehrung führt.
Der eigentliche Haken liegt jedoch noch ganz woanders: im Zeitraum von Anfang 2004 bis Ende 2007 beispielsweise hat sich der DAX von damals rund 4.000 Punkten auf im Hoch etwas über 8.000 Punkte mehr als verdoppelt und steht selbst nach den Kursstürzen der letzten Tage mit aktuell rund 6.800 Punkten noch 70 Prozent im Plus. Bei den Sparern der Postbank ist von diesem Kursanstieg fast nichts angekommen. Die Chancen, welche sich an den Aktienmärkten bieten, bleiben mit diesem Produkt also so gut wie ungenutzt.
So ist es auch kein Wunder, dass die Stiftung Warentest das Postbank DAX-Sparbuch mit dem Kommentar „Wenig Zins, wenig Chance“ aburteilt.
Im Übrigen fällt die Postbank gerade auch noch durch eine andere Masche negativ auf. Wie man etwa im finanzblog24.net unter „Miese Abzocke der Postbank“ nachlesen kann, bittet die Postbank alle Kunden zur Kasse, die zwar ein Sparbuch führen, dort aber nicht mehr als 60 Euro angelegt und seit drei Jahren keine weiteren Ein- oder Auszahlungen getätigt haben. Ausgenommen sind minderjährige Sparer sowie Kunden, die neben ihrem Sparbuch noch weitere Konten bei der Postbank führen.


Donnerstag, 24. Januar 2008 19:03
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