Wie viel wusste René Obermann wirklich?

Montag den 2.06.2008 - Abgelegt unter: Wirtschaft - 1 Kommentar »

Bis jetzt war René Obermann, der oberste Mann der Telekom, abseits jeglicher Verdächtigungen erhaben. Nun wurde er laut einem Bericht des Spiegel mit hineingezogen in den Sumpf, in dem der einst allmächtige Telekommunikationskonzern steckt (wir berichteten bereits an früherer Stelle über die Razzia bei der Telekom und auch an anderer Stelle wird ausführlich darüber berichtet, dass die Telekom Mitarbeiter und Journalisten überwacht hat) und niemand blickt mehr wirklich durch. Dafür meldet sich nun auch Innenminister Schäuble ein und macht ein Kaffeekränzchen mit den Vertretern der Telekommunikationsbranche. Die Kritik für dieses Treffen folgt ihm dabei auf dem Fuß. “Es reicht nicht, sich nach den unfassbaren Vorgängen bei der Telekom zu Kaffee und Plätzchen zu verabreden. So wird der Branche signalisiert, dass alles halb so wild ist, obwohl strikte Vorgaben dringend erforderlich wären”, sagte der Chef des BDK, des Bund Deutscher Kriminalbeamter, Klaus Jansen, in einem Gespräch mit der “Neuen Osnabrücker Zeitung”.

Da geht ein Aufschrei durch das Land. Der Datenschutz ist kein Schutz mehr, und keiner weiß so richtig, wer denn nun Schuld an dem ganzen trägt. War es Zumwinkel, war es Sommer, oder doch Ricke? Oder alle zusammen? Immerhin hat die Staatsanwaltschaft bereits Ermittlungen gegen Ricke und Zumwinkel aufgenommen. Und welche Rolle spielte Obermann, der jetzt in die Offensive geht, bei dem Ganzen? War er der Saubermann, der er jetzt zu sein scheint, oder war er doch mehr oder weniger involviert? Geklärt werden diese Fragen wohl erst im Laufe der nächsten Monate, wenn gar Jahre, denn erst im Zuge der laufenden kriminalpolizeilichen Ermittlungen wird nach und nach offenbar werden, wie tief der Sumpf des Datenmissbrauchs durch die Deutsche Telekom AG wirklich ist. Noch sehen wir alle wohl nur einen Bruchteil dessen, was da irgendwann an die Oberfläche kommen wird.

Interessant ist nur, dass Wolfgang Schäuble sich mit dem Thema Bestrafung so sehr zurückhält, während seine Kollegen längst nach härteren Strafen rufen, berechtigterweise wie man ja sagen muss. Hans-Peter Uhl, der innenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion der Union, sagte ganz klar, dass “dringend etwas geschehen“ muss und die Zusage gibt: „ und die Große Koalition wird hier handeln”. Seiner Ansicht nach müsste es eine Art öffentlichen Pranger geben, der den Kunden die Möglichkeit gibt, sich ein Bild von dem Konzern zu machen, mit dem sie da zu tun haben. Und er fordert dabei gleich auch: “Sie müssen zur Transparenz gezwungen werden.” Seiner Ansicht nach zahlt die Telekom AG das Bußgeld, das wohl irgendwann kommen wird, aus der Portokasse und deshalb verlangt er nach mehr als nur einem Bußgeld. Denn, und da geben ihm sicher sehr viele Bürger unseres Landes recht, was das geschehen ist, ist mehr als nur eine Ordnungswidrigkeit, zumindest in der Hinsicht unseres Verständnisses von Recht und Gerechtigkeit.

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  1. Laberfeuer am 26.12.2008

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