Razzia bei der Telekom

Donnerstag den 29.05.2008 - Abgelegt unter: Wirtschaft - 1 Kommentar »

Nicht, dass die Telekom AG nicht schon genug an der Backe und um die Ohren hätte. Nein, nun geht es richtig zur Sache. Heute wurde eine Razzia in der Bonner Zentrale des Telekommunikationskonzerns durchgeführt. Neben Angehörigen der oberen Führungsebene sollen auch Journalisten systematisch bespitzelt worden sein. Dies übrigens durch ehemalige Angehörige des Geheimdienstes, die inzwischen für die Wirtschaftsdetektei Desa, die in Berlin ansässig ist, arbeiteten.

Dreh- und Angelpunkt der Spitzelaffäre sollen nach Meldung von „Capital“ der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Zumwinkel und Kai-Uwe Ricke, der ehemalige Chef des Konzerns, sein. Ricke, der Vorgänger von René Obermann, war in der Hochzeit der Bespitzelung Chef, während die Affäre ihr Ende anscheinend unter diesem ihr Ende gefunden hat. Herausgefunden werden sollte, wer die Presse mit internen Informationen versorgt hat.

Und Heinz Klinkhammer, der ehemalige Personalverstand bei der Telekom sorgte für neuen Zunder und sprach gar von einem Maulkorb, den der zuständige Mitarbeiter in der Konzernsicherheit von Zumwinkel und Ricke bekommen hatte. Und nun kommt noch ein viel längerer Zeitraum der Bespitzelung ans Tageslicht. Wohl auch unter dem Vorgänger von Kai-Uwe Ricke, Ron Sommer, wurde schon fleißig bei der Deutschen Telekom an der Spitzelaffäre „gebastelt“. So soll bereits im Jahre nach Informanten aus der Konzernmitte gesucht werden.

Brisant wird das Ganze dadurch, dass es sich nicht einfach um ein beliebiges Unternehmen handelt. Nein, die Telekom AG ist ein ehemaliges Staatsunternehmen der Bundesrepublik Deutschland und gehört noch immer zu einigen Teil dem Bund. 14,83 Prozent über ein direktes Halten von Aktien und zu 16,87 Prozent über das indirekte Halten von Aktien über die Bankengruppe der KfW, der früheren Kreditanstalt für Wiederaufbau. Natürlich weiß nicht jeder kleine Aktionär, was das Unternehmen, dessen Aktien er erworben hat, so macht. Aber schließlich war der Bund ehemals völliger Eigner der Deutschen Telekom und hat wohl schon noch einige Fäden in der Hand, beziehungsweise sollte er diese zumindest in der Hand haben als quasi Drittel-Eigner.

Man darf also gespannt sein, wie sich die Spitzelaffäre auf die Lage der politischen Nation auswirken wird. Denn keiner kann sich gegenseitig die Schuld zuschieben, da beide jeweils die Regierung innehatten und auch die Opposition (mit Ausnahme der Linken) zu jenen Zeiten in die Bundesregierung involviert war.

Wessen Kopf nun rollen muss, wird spannend werden. Zumwinkel kann es nicht mehr treffen, der hat seinen eigenen Kopf schon durch seinen eigenen Steuerbetrug rollen lassen. Bei Obermann weiß keiner, was er bereits vorher wusste. Und schließlich hatte die Affäre um die Bespitzelung unter ihm wohl endlich ein Ende gefunden. Nun können wir warten, was passieren wird, und was die Behörden aufgrund der heutigen Razzia in der Konzernzentrale der Telekom herausfinden werden.

Es scheint aber auf jeden Fall so, als käme die Telekom AG so schnell erstmal nicht mehr aus den negativen Schlagzeilen heraus. Und das, nachdem Obermann endlich wieder an einem positiven Image des Konzerns basteln wollte. Eigentlich kann er einem leid tun, da er nun derjenige ist, der die Scherben zusammenkehren muss, die Sommer, Zumwinkel, Ricke und Konsorten hinterlassen haben. Und das tut natürlich richtig weh, wenn man sich dabei, wie René Obermann, ständig in die Finger schneidet…

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