Inflationsangst – So retten Sie ihr Geld

Montag den 5.05.2008 - Abgelegt unter: Geldanlage - 2 Kommentare »

„Inflationsangst, so retten Sie ihr Geld“ titelte die BILD Zeitung vor einigen Tagen.

Da konnte ich nicht widerstehen und wollte vom geballten Expertenwissen der BILD profitieren. Ich dachte mir die 90 Cent Investition wird sich schon rentieren und selbst wenn nicht, was soll’s, die 90 Cent sind ja bald eh nichts mehr wert. Die BILD folgt damit auch einer Umfrage des Sterns, „Deutsche haben Angst um ihr Geld“ bzw. treibt diese Angst an

Wir merken es im Supermarkt, wir merken es beim Discounter, wir merken es beim Tanken, alles wird teurer. Das Gespenst der Inflation geht um. Um 3,1 Prozent haben sich die Produkte im März, im Vergleich zum Vorjahr verteuert, was weit oberhalb des langfristigen Durchschnitts (siehe unsere Statistiken zum Verbraucherpreisindex) und auch des von der EZB angestrebten Korridors für die Inflation liegt.

Damit wir am Ende nicht auf einem Haufen wertloser Geldscheine sitzen, wie 1923 oder wie aktuell in Simbabwe (ca. 3700 %) führen wir uns jetzt „Die besten Tipps gegen den Wertverlust“ der BILD zu Gemüte.

Schön ordentlich in 4 große Themenkästen aufgeteilt: Rente, Lohn, Erspartes und die Lebensversicherung, dazu noch eine große Grafik, die die Inflationssteigerungen der letzten 10 Jahre aufzeigt und „weitere wichtige Fragen an die Experten“.

Die Rente

  • Das ProblemDie gesetzliche Rente verliert durch die Inflation an Wert.
  • Das BeispielEin 33 Jähriger verdient heute 2.500 Brutto und kann 2042 über ca. 1.300 Euro Rente verfügen, ABER an tatsächlicher Kaufkraft bleiben ihm nur 780 Euro. Zur Orientierung schauen Sie auf den Rentenbescheid und nehmen Sie den Wert ohne jegliche Rentensteigerung.
  • Die LösungGezielte private Vorsorge, ca. 4 Prozent des Bruttoeinkommens. Da es sich bei der privaten Vorsorge immer um eine individuelle Lösung handelt, können wir hier keine Empfehlungen für einzelne Produkte aussprechen. Nichtsdestotrotz ist eine Kombination aus geförderten Sparformen wie Riester-Rente oder Rürup-Rente und einem Fondssparplan sowie anderen Wertpapieren immer eine Überlegung wert.

Lohn/Gehalt

  • Das ProblemDie Inflation frisst ihre Lohnerhöhungen auf
  • Das BeispielSie bekommen 3 Prozent mehr Lohn, doch dank der aktuellen Inflation von 3,1 Prozent, können Sie trotz Lohnsteigerung weniger einkaufen.
  • Die Lösung1. Pochen Sie auf ihr Recht einer betrieblichen Altersvorsorge, somit fließt ihre Gehaltserhöhung ohne Abgaben und Steuern in ihre Altersvorsorge.

    2. Lohnerhöhung als Sachbezug verlangen, sprich Mittagessen, oder Fahrscheine, so schaltet man den Inflationseffekt weitgehend aus. Interessante Beiträge zum Thema Sachbezüge finden sich unter anderem im Blog von gabler-steuern.de sowie im Blog von lohn-praxis.net.

Erspartes

Das Problem

Angelegtes Geld bringt Zinsen unter der Inflationsrate, es droht eine Geldentwertung also der Verlust an realer Kaufkraft.

Das Beispiel

Geld zu 1 Prozent auf dem Sparbuch angelegt, die Inflation liegt aber bei 3,1 Prozent

Die Lösung: Geld höher verzinst, aber ohne Risiko anlegen, hier wird das Tagesgeld und Festgeld empfohlen. Aus unserer Sicht sollten hier aber auch Anleihen genannt werden, welche ihre Vorzüge durch die ab 2009 geltende Abgeltungssteuer noch besser ausspielen können.

Lebensversicherung

  • Das ProblemDie Lebensversicherung weist nicht explizit auf die Folgen der Inflation hin.
  • Das BeispielEine Lebensversicherung, die im Jahr 2028 eine Auszahlung von 100.000 Euro bewirkt, hat dann nur noch eine Kaufkraft von ca. 74.000 Euro (bei 1,5 Prozent Inflation).
  • Die LösungHier empfiehlt ein Experte, die Dynamisierung der Lebensversicherungsbeiträge um ca. 2 Prozent. Die BILD empfiehlt, diesem Ratschlag nicht zu folgen, da die Lebensversicherung für diese Dynamisierung auch wieder Provisions- und Verwaltungskosten verlangt.

Die „weiteren wichtigen Fragen“ beinhalten die Fragen, ob man wegen der Inflation Gold, Immobilien, oder vermehrt Kleidung kaufen soll.

Dies verneint die BILD, da der Goldpreis schon sehr hoch sei, Immobilien auch nicht zwangsläufig vor der Inflation gefeit sind und die Kleidungspreise trotz Inflation tendenziell eher abnehmen. Beim Thema Immobilien fehlt mir allerdings ein wenig das Verständnis für diese Aussage, denn gerade in Zeiten hoher Inflation haben Immobilien in der Vergangenheit immer wieder ihre Werthaltigkeit unter Beweis gestellt. Immobilienbesitzer, die ihr Haus auf Kredit gekauft haben, profitieren sogar von einem Ansteigen der Inflation, denn dann zahlen sie ihr Darlehen mit immer billigerem Geld zurück. Wer einmal auf anschauliche Weise das System der Inflation erklärt sehen will, dem empfehle ich das Video zu Inflation und Deflation auf finanzlift.de.

Im Endeffekt würde ich der BILD Zeitung Skandalisierung vorwerfen, was Sie auch auf jeden Fall betreibt, indem sie den Menschen Angst macht. Andererseits sind die Tipps für Leute, die sich mit der Thematik sonst nicht auseinandersetzen sicherlich nicht schlecht.

Gerade den Appell, sein Geld nicht auf dem Sparbuch zu lassen, und sich um die eigene Altersvorsorge zu kümmern, kann ich uneingeschränkt unterstützen. So finden interessierte Anleger auf unseren Seiten zum Thema Tagesgeld und Festgeld wesentlich besser verzinste Produkte, die ihnen dieselbe Sicherheit bieten.

1 Kommentare

  1. Matthias C. Strobel am

    vielen dank für den beitrag. das mit der dynamischen lebensversicherung ist keine schlechte idee. zumindest klingt es sehr vernünftig.

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