Die Entstehungsgeschichte der Immobilienkrise in den USA

Sonntag den 27.04.2008 - Abgelegt unter: Wirtschaft - 1 Kommentar »

Im Juni 2007 begann in den USA die Immobilienkrise. Anfang dieses Jahres kam diese als internationale Finanzkrise auf uns zugerollt und erschütterte die Kapitalmärkte weltweit. Immobilienbesitzer verlieren ihre Häuser, die Börsen brechen ein, viele Banken drohen bankrott zu gehen und die Gefahr einer Rezession wird immer größer. Wie konnte das geschehen?

Der Ausgangspunkt

Die Anfänge finden sich im Jahr 2001 nach dem elften September. Die US-Notenbank reagiert mit einer Niedrigzinspolitik auf den Terror, um die Wirtschaft stabil zu halten. Erst Mitte 2004 – lange nach dem Anschlag – werden die Zinsen wieder Schritt für Schritt erhöht.

Der Immobilien-Boom und seine Folgen

In diesen drei Jahren der extrem niedrigen Zinsen nehmen viele Amerikaner Immobilienkredite auf, um sich den Wunsch eines Eigenheims zu verwirklichen. Die Amerikanischen Banken freuen sich über den Boom und vergeben Kredite – auch an Kreditnehmer mit zweifelhafter Bonität.

Personen, die über keine Sicherheiten verfügen oder keinerlei Kapital aufbringen können, werden so genannte „Subprime Loans“, also zweitklassige Hypothekendarlehen angeboten, die in der Regel teurer sind als herkömmliche Kredite, aber die schlechte Bonität der Antragssteller ignorieren. Weiterführende Informationen über Funktionsweise, Nutzen und aktuelle Entwicklungen dieser Subprime Loans finden interessierte Leser auf „Are Subprime Loans Useful? “, “Subprime Loan Crisis Explained By Cartoon Stick Figures” sowie Map of US Showing Subprime Loans and Foreclosures by State, Country and Zip Code “. So erhalten viele Menschen einen Kredit, die es sich eigentlich nicht leisten können.

Im vergangen Sommer platzt die Blase: das Angebot an Immobilien überholt die Nachfrage und so beginnen die Immobilienpreise zu sinken, während gleichzeitig die Zinsen steigen. Das führt dazu, dass viele Hausbesitzer ihre Raten für die aufgenommenen Hypothekendarlehen nicht mehr zahlen können und es kommt zu vielen Zwangsvollstreckungen und geplatzten Krediten (aktuelle Zahlen dazu finden interessierte Leser in unserem Beitrag „Pfändungen und Zwangsvollstreckungen 2007 in den USA“ sowie im Blog der TAZ unter „Verarmung“). Amerika befindet sich inmitten der so genannten Subprime-Krise.

Wie erreichte die amerikanische Subprime-Krise die internationalen Finanzmärkte?

Um das Risiko der „Subprime Loans“, dieser zweitklassigen Hypothekendarlehen geringer zu halten, wurden diese von den kleineren Immobilienfinanzierern an Großanleger wie Banken und Hedge Fonds weiterverkauft. Diese wiederum bündelten mehrere gute und schlechte Kredite zu Wertpapier-Paketen („Verbriefung“) und verkauften diese an internationale Banken.

Mit Beginn der Subprime-Krise wurden diese gekauften Papiere wertlos und brachten auch den internationalen Banken hohe Verluste ein. Hinzu kommt das entstandene Misstrauen der Banken untereinander, die sich nach diesen jüngsten Vorfällen gegenseitig kaum mehr untereinander Geld leihen wollen. Das Interbankengeschäft und damit die internationale Wirtschaft geraten ins Wanken.

Die Gegenmaßnahmen und der Status quo

Hier griffen die Zentralbanken ein und stellten mehrere Milliarden Euro zur Verfügung, so dass sich die Krise kurzzeitig wieder beruhigte (einen Überblick über die geschätzten Abschreibungen aufgrund dieser Krise versuchen wir dem interessierten Leser in unserem Blog-Beitrag „Subprime-Abschreibungen in Zahlen“ zu geben, wozu gesagt werden muss, dass sich die dort erhobenen Zahlen seit Ende Januar 2008 fast schon wieder verdoppelt haben). Doch dann geben Finanzriesen wie die Citigroup erneut Abschreibungen in Milliardenhöhe bekannt und bringen die Börse erneut ins Schwanken. Im Kampf gegen die Immobilienkrise hat sich in den USA inzwischen der Senat eingeschaltet und verspricht schnelle Hilfe für Betroffene und neue Gesetze. Wie sich die Krise weiter entwickelt ist abzuwarten.

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