Tiefrote Zahlen für VW – Die Volkswagen AG fährt in den Keller

Mittwoch den 29.04.2009 - Abgelegt unter: Allgemein - Keine Kommentare »

Nur Verkauf des brasilianischen LKW-Geschäfts verhinderte ein Fiasko im ersten Quartal dieses Jahres beim deutschen Autohersteller Volkswagen. Die Absätze sinken trotz der Abwrackprämie unaufhaltsam. Während noch vor einigen Monaten das Geschäft in vielen Bereichen richtig gut ging, sieht sich Volkswagen nun mit dem Rücken an der Wand. Jetzt müssen neue Wege gefunden werden, um in der Krise nicht ganz abzustürzen, könnte man fast meinen, wenn man die Zahlen so liest.

Klar, natürlich könnte es noch schlimmer aussehen für die Volkswagen AG. Aber ein Rückgang von gleich 740 Millionen beim operativen Ergebnis bei der Marke VW Pkw ist schon etwas, woran man sich fast die Zähne vor Wut ausbeißen könnte. Während noch im ersten Quartal des vergangenen Jahres ein operativer Gewinn von 461 Millionen Euro in diesem Segment vorgewiesen werden konnte, ging es in den ersten drei Monaten dieses Jahres mit einem operativen (Minus-) Ergebnis von 279 Millionen Euro gleich mal kräftig in den Keller.

Dennoch machte der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, Martin Winterkorn, heute bei der Vorstellung der Quartalszahlen gute Miene zum bösen Spiel. „Natürlich ist die Krise auch an uns nicht spurlos vorbeigegangen. Aber unser Konzern mit neun starken Marken und seiner finanziellen Solidität zeigt sich robust. So konnte der Konzern seine Marktposition im ersten Quartal stärken und das bleibt auch unser Ziel für das Gesamtjahr“.

„Dies hat maßgeblich zur Verbesserung unseres Cash-flows und unserer Liquidität beigetragen. In der jetzigen schwierigen weltwirtschaftlichen Situation sind unsere anhaltende Kostendisziplin und sehr gezielte Investitionstätigkeit wichtiger denn je. Unsere finanzielle Handlungsfähigkeit hat weiterhin hohe Priorität“, sagte ergänzend dann noch der Volkswagen-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch.

Nach der Bekanntgabe der Quartalszahlen ging es übrigens mit der Volkswagen-Aktie erst einmal in den Keller. Momentan liegt das Wertpapier bei minus zwei Prozent und hat nur noch einen Wert von 238,28 Euro je Aktie, nach dem schwindelerregenden Höhenflug auf über 1.000 Euro vor einigen Monaten. Bei den Anlegern scheint der Realismus eingekehrt zu sein, auch angesichts der Tatsache, dass die Autoabsätze trotz der Abwrackprämie bei den meisten deutschen Autobauern nicht wirklich angestiegen sind. Zumindest nicht bei VW, wie es scheint. Die Volkswagen AG scheint also keinen nennenswerten Teil vom Kuchen abzubekommen. Hier bedarf es einer Neuausrichtung in Richtung Kunden und in die Richtung, neue Nischen zu finden, welche neue Käufer zu den Fahrzeugsegmenten der Volkswagen AG zieht.

Abschließend noch die nackten Zahlen aus dem Hause Volkswagen:

„Der Volkswagen Konzern lieferte in den ersten drei Monaten weltweit 1,40 (1,57) Millionen Fahrzeuge aus. In einem um über 20 Prozent rückläufigen Gesamtmarkt betrug der Rückgang damit nur 10,7 Prozent, wodurch sich der Weltmarktanteil auf 11,0 (9,7) Prozent verbesserte. Das Produktionsvolumen lag wie geplant mit 1,25 (1,65) Millionen Fahrzeugen um 24,1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Damit hat Volkswagen die Lagerbestände deutlich reduziert. Der Umsatz nahm volumenbedingt im ersten Quartal um 11,2 Prozent auf 24,0 (27,0) Milliarden EUR ab. Das Operative Ergebnis betrug 312 (1.311) Millionen Euro EUR. Der Verkauf des brasilianischen Nutzfahrzeuggeschäfts trug rund 600 Millionen EUR zum Ergebnis bei. Nach Steuern wurde ein Ergebnis von 243 (929) Millionen EUR erwirtschaftet.“

Eines ist übrigens interessant bei der ganzen Geschichte Volkswagen, und diese Nachricht kam heute auch aus dem Hause der Aktiengesellschaft: „Einen wichtigen Beitrag zum Gewinn des Volkswagen Konzerns leisteten erneut die Volkswagen Finanzdienstleistungen. Das Operative Ergebnis erreichte 156 (276) Millionen EUR.“ Die Autobanken – im Falle der Volkswagen Bank besonders bekannt durch Produkte wie Ratenkredit, Tagesgeldkonto, Girokonto oder der Volkswagen Visa-Card Kreditkarte – sind also sehr wichtig geworden für die Autohersteller, auch als tragende Säule. Dies hätte man vor Jahren noch nicht so gedacht, weil sie eher als eine Art Nebengeschäft aufgebaut schienen. Nun aber zeigen sie in aller Konsequenz, dass sie den Autobauern so manches Geld bringen, und damit die Zahlen nicht ganz so tiefrot machen, wie sie eigentlich aufgrund des stark zurückgegangenen Autoabsatzes sind…

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