2009 im Rückblick – Die Finanzkrise führt zu neuen Wegen, wenn wir die Chancen erkennen

Sonntag den 21.12.2008 - Abgelegt unter: Wirtschaft - 1 Kommentar »

Das Jahr 2008 geht langsam dem Ende zu. Ein schweres Jahr, welches immer schwieriger wurde im Laufe der Zeit. Der Kampf gegen die Krise, welche die Welt immer mehr zu einem wirtschaftlichen Krisenherd machte, kostete viele Kraftanstrengungen – seitens der Regierungen und auch seitens der einzelnen Bürger.

Mitte dieses Monats, mitten in den immer schlimmer werdenden Auswirkungen der Krise, sprach der Vorsitzende der SPD, Franz Müntefering, plötzlich von einer „Zeitenwende“ und sagte damit das, was viele denken. Die Finanzkrise und ihre Auswirkungen könnte diese Welt verändern, durch ein neues Bewusstsein, dass in der ganzen Welt geschaffen wird. “Wir müssen lernen und begreifen auf der Welt, dass die Finanzindustrie – das Geld – Regeln braucht, nach denen das funktioniert, und zwar solche Regeln, die den Ansprüchen des Sozialen und Demokratischen auch genügen.“ sagte Müntefering dazu.

Noch aber geht es um das Aufräumen

Im Moment jedoch ist die Finanzwelt und mit ihr die Politik damit beschäftigt, die Scherben aufzuräumen und wegzukehren, damit ein Neuanfang überhaupt möglich wird. Weit über 20 Banken sind in den USA Pleite gegangen binnen dieses Jahres, darunter die Investmentbank Lehman Brothers, deren Pleite Anleger massenweise in den Ruin riss. Die großen Banken Islands lockten mit verlockenden Zinsen und brachten Sparer in aller Welt um ihr Geld, welche ihr Geld dort auf einem vermeintlich sicheren Tagesgeldkonto oder Festgeldkonto angelegt hatten. Viele Scherben liegen in den USA und in Europa verstreut, aber auch in Asien, das sich auch nicht dem Sog der Krise entziehen konnte, sei es nun Japan oder China, beide Länder leiden unter den Folgen der Finanzwirtschaftskrise.

Rettungspakete wurden geschnürt

Um das Aufräumen zu beschleunigen und die Wirtschaftswelt vor noch Schlimmerem zu bewahren, wurden in der ganzen Welt von den einzelnen Regierungen und auch von der Europäischen Union als Ganzes Rettungspakete geschnürt. Diese sollten und sollen auf der einen Seite der Finanzwirtschaft helfen, um sie nicht ganz bankrott gehen zu lassen. Auf der anderen Seite sollen diese Hilfspakete der Konjunktur in den einzelnen Ländern und der EU als Gesamtheit einen neuen Schub geben, um damit die Rezession nicht zu sehr in die Tiefe und auch in die Länge gehen zu lassen.

Was wird die Zukunft bringen?

Nur Konjunkturpakete werden mittelfristig gesehen keine Lösung bringen. Auf der einen Seite müssen die angeschlagenen Banken auf die Beine kommen und dann ihren Sold an die Regierung bezahlen, die ihnen unterstützend zur Seite steht in diesen Tagen. Auf der anderen Seite muss die Wirtschaft wieder angeschoben werden, durch verstärkten Konsum, durch Investitionen, durch Erweiterung und Verbesserung der Infrastruktur unseres Landes und natürlich auch wieder die Gewährung von Darlehen seitens der Banken, was derzeit ja besonders im Bereich der Kredite für Selbstständige dringend erforderlich wäre. An dem vorletzten Punkt arbeitet die Bundesregierung gerade und im Laufe des Januars wird es hier wohl ein klares Konjunkturpaket geben, das helfen soll und hoffentlich auch wird.

Neben dem zweiten Paket zur Konjunkturrettung kam die Bundesregierung auf die Idee, mit staatlichen Mitteln eine Senkung der Krankenkassenbeiträge zu bewirken. Dies würde, anders als Steuersenkungen, so gut wie jeden deutschen Haushalt erreichen, zumindest jene, die aus eigenen Mitteln in die Sozialversicherung einzahlen. Geplant war ab 1. Januar 2009 eigentlich ein Beitrag zur Krankenversicherung in Höhe von 15,5 Prozent, dies könnte jetzt mit Staatsmitteln zwar auf diesem Beitrag gelassen werden, der Staat wurde jedoch dazuzahlen, so dass für Arbeitgeber und Arbeitnehmer nur noch insgesamt 14,5 Prozent zahlen müssten. Dies würde durch die Ersparnis auf der einen Seite ein wenig mehr Geld in die Taschen der Bürger bringen, was mit der Senkung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung schon ein paar Euro ausmachen kann. Zwar keine Reichtümer, aber ein mehr an Geld ist immer gut. Auf der anderen Seite hätten die Arbeitgeber mehr Geld übrig und könnten dieses wiederum in ihre Unternehmen investieren, was auch wiederum die Konjunktur beleben könnte.

“Zeitenwende”, ein passendes Wort, in der plötzlich alle nachdenken über das, was passiert ist, ist nun geschieht und was alles an Szenarien geschehen könnte – je nachdem, wie man in Zukunft handelt. Eigentlich ein guter Ausblick in Richtung eines neuen Jahres, mit neuen Möglichkeiten, mit neuen Entscheidungen…

1 Kommentare

  1. Stefan Wehmeier am

    „Es gibt in der Volkswirtschaft keinen Grund, was eine allgemeine Krise und damit Arbeitslose zur Notwendigkeit macht. Es gibt nie eine allgemeine Überproduktion, solange das Geld der Verbraucher nicht bis zum Wochen- oder Monatsende reicht für noch notwendige Käufe. Jeder Verbraucher ist doch, seit eh und je, Teil des Absatzmarktes in seiner Volkswirtschaft, ist doch „Arbeitsplatz“ in der gleichen Größe wie sein Verbrauch, sein „Absatzmarkt“. Aber zwischen „Arbeitsplatz“ (Hände die arbeiten) und den Verbrauch – „Absatzmarkt“ (Hände die kaufen) – hat sich in unsere tausendfältige Arbeitsteilung etwas geschoben, das nur allzu selbstverständlich hingenommen wird – Geld. Studieren wir doch diese uralte Erfindung genauer, zumal in unserem heutigen System. Viele unserer heute so rätselhaften Faktoren werden sich aufhellen, werden immer klarer vor uns liegen.“

    Silvio Gesell, aus „Die Ausbeutung, ihre Ursachen und ihre Bekämpfung“

    Der „Jahrhundertökonom“ John Maynard Keynes wusste, dass Silvio Gesell in allen Punkten Recht hatte, und er wusste, dass die Weltwirtschaft letztlich auf die globale Liquiditätsfalle (die heute kurz bevor steht!), zusteuern würde. Anderenfalls hätte er nicht 1944 auf der Konferenz von Bretton-Woods eine internationale umlaufgesicherte Währung (Bancor) vorgeschlagen.

    Keynes war mit Sicherheit nicht so dumm, selbst daran zu glauben, dass konstruktiv umlaufgesichertes Geld (Freigeld) wieder durch irgendwelche „Ersatzzahlungsmittel“ aus dem Umlauf gedrängt werden könnte. Dennoch gebrauchte er diese Ausrede, um seine „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ (1935) an die „hohe Politik“ verkaufen zu können, von der er wusste, dass sie diese mit Begeisterung annehmen würde; denn nichts freut einen Politiker mehr, als auch noch mit „wissenschaftlicher Legitimation“ in der freien Marktwirtschaft herumpfuschen zu dürfen.

    Keynes wusste auch, dass letztlich an der Natürlichen Wirtschaftsordnung kein Weg vorbei führt, aber die „hohe Politik“ wäre dann obsolet. Die Frage ist also nicht, was heute (2009) unternommen werden muss, um die gegenwärtige „Finanzkrise“ zu überwinden, und warum insbesondere so genannte „Wirtschaftsexperten“ und auch die „hohe Politik“ sie gar nicht überwinden können und wollen!

    Die Frage ist: welcher kollektive Wahnsinn hielt die halbwegs zivilisierte Menschheit sogar noch bis ins 21. Jahrhundert hinein davon ab, die Natürliche Wirtschaftsordnung (Marktwirtschaft ohne Kapitalismus = echte Soziale Marktwirtschaft) zu verwirklichen? Warum musste es soweit kommen, dass wir erst im Angesicht der maximalen Katastrophe (die globale Liquiditätsfalle bedeutet das Ende der Zivilisation!) dazu bereit sind, endlich unseren Verstand zu gebrauchen? Lassen wir dazu den wohl bedeutendsten Futurologen des 20. Jahrhunderts, Sir Arthur Charles Clarke (1917 – 2008), zu Wort kommen:

    “Ich glaube – und hoffe – auch, dass Politik und Wirtschaft in der Zukunft nicht mehr so wichtig sein werden wie in der Vergangenheit. Die Zeit wird kommen, wo die Mehrzahl unserer gegenwärtigen Kontroversen auf diesen Gebieten uns ebenso trivial oder bedeutungslos vorkommen werden wie die theologischen Debatten, an welche die besten Köpfe des Mittelalters ihre Kräfte verschwendeten. Politik und Wirtschaft befassen sich mit Macht und Wohlstand, und weder dem einen noch dem anderen sollte das Hauptinteresse oder gar das ausschließliche Interesse erwachsener, reifer Menschen gelten.”

    Machtausübung ist Dummheit und allgemeiner Wohlstand ist selbstverständlich – sobald die Religion überwunden ist, die schon immer die Aufgabe hatte, die Fehler der Makroökonomie aus dem Bewusstsein des arbeitenden Volkes auszublenden. Die Religion (Rückbindung auf einen künstlichen Archetyp) war solange notwendig und sinnvoll, wie niemand diese Fehler zu beheben wusste, die zwangsläufig zu systemischer Ungerechtigkeit und damit zu Massenarmut und Krieg führen. Ohne die selektive geistige Blindheit, die uns „wahnsinnig genug“ für die Benutzung von Zinsgeld machte, und die noch heute die Menschheit in Herrscher (Zinsprofiteure) und Beherrschte (Zinsverlierer) unterteilt, wäre unsere Zivilisation nie entstanden.

    Erst der Prophet Jesus von Nazareth erkannte, wie die Makroökonomie zu gestalten ist, damit niemand einen unverdienten Gewinn auf Kosten der Mehrarbeit anderer (Frucht vom Baum der Erkenntnis) erzielen kann. Doch mit dem Cargo-Kult des Katholizismus mutierte die seit Jesus eigentlich überflüssige Religion vom Wahnsinn mit Methode zum Wahnsinn ohne Methode: weitere 1600 Jahre Massenarmut und Krieg, seit der Vernichtung der Gnosis (Kenntnis) im vierten Jahrhundert.

    Die „heilige katholische Kirche“ degradierte das Genie zum moralisierenden Wanderprediger und projizierte das von Jesus vorhergesagte „Königreich des Vaters“ (Freiwirtschaft, Vater der Kultur = Kreditangebot), in dem die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beendet ist, auf ein hypothetisches „Himmelreich“ der Toten, nur um selbst eine „Moral“ verkaufen zu können, die in der idealen Makroökonomie so sinnlos ist wie eine Taschenlampe bei Sonnenschein.

    Der religiöse Wahnsinn beließ die Menschheit in der systemischen Ungerechtigkeit des Privatkapitalismus (Erbsünde) und ließ so dem ersten Weltkrieg noch einen zweiten folgen, obwohl der Sozialphilosoph Silvio Gesell bereits 1916, unabhängig von der Heiligen Schrift und erstmals auf wissenschaftlicher Grundlage, genau das wieder beschrieb, was der geniale Prophet Jesus von Nazareth als erster Denker in der bekannten Geschichte als Wahrheit erkannt hatte: absolute Gerechtigkeit durch absolute Marktgerechtigkeit.

    Heute (2009) sind wir an genau dem Punkt angekommen, den die israelitische Priesterschaft schon vor 2600 Jahren vorhergesehen hatte: Wir stehen unmittelbar vor der globalen Liquiditätsfalle (Armageddon), der totalen Selbstvernichtung, denn der Krieg (umfassende Sachkapitalzerstörung) konnte nur solange der Vater aller Dinge sein, wie es noch keine Atomwaffen gab!

    Doch ein Atomkrieg ist gar nicht erforderlich, um unsere ganze „moderne Zivilisation“ auszulöschen; es reicht aus, wenn wir weiterhin an den „lieben Gott“ (künstlicher Archetyp: Jahwe = Investor) glauben und ein allgemeines Zwischentauschmittel mit parasitärer Wertaufbewahrungsfunktion (Zinsgeld) verwenden.

    Ich wünsche dem einstigen Land der Dichter und Denker Viel Erfolg bei der „Auferstehung aus der religiösen Verblendung“ noch vor dem jüngsten Tag (1. Januar 2010).

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