Die Auswirkungen der Finanzkrise auf die deutsche Autoindustrie

Mittwoch den 5.11.2008 - Abgelegt unter: Wirtschaft - Keine Kommentare »

Die bittere Wahrheit der Finanzkrise, die in Amerika ihren Ursprung findet, ist nun auch in Deutschland angekommen. Die dramatischen Auswirkungen werden zwar erst in den nächsten Monaten oder Jahren spürbar, doch ist der Zeitpunkt der Wirksamkeit wesentlich irrelevanter als die konkreten Auswirkungen dieser weltweiten Wirtschaftskrise. Diese stellt die meisten Unternehmen auf eine harte Bestandsprobe.

Ganz besonders zu kämpfen haben wird in Zukunft die Automobilbranche, die zu Zeiten der Finanzkrise vor einem Produktionsrückgang und folglich Stellenstreichungen steht. Es ist nicht unbedingt die Kauflust, die bei der Bevölkerung zurückgeht. Vorherrschender Grund ist vielmehr das finanzielle Bedenken der potenziellen Käufer. Aufgrund der aktuellen Lage kommen viele wieder auf die Idee, Erspartes wie damals Oma oder Mutti unter dem Kopfkissen zu verstauen oder in Form von Tagesgeld bzw. Festgeld anzulegen, anstatt neue Anschaffungen zu finanzieren – ein Umstand, den die Autobanken als erstes merken, denn bei ihnen gehen die Anträge für neue Autokredite oder das so beliebte Leasing unmittelbar zurück.

Folglich ist es die Kaufkraft und nur seltener die Kauflust der Menschen, die sinkt. Wie der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer der „Berliner Zeitung” berichtete, sei mit einer deutlichen Verminderung der Neuzulassungen zu rechnen. Im Jahr 2008 sei dies weniger spürbar, als es in den nächsten Jahren der Fall sein wird.

Bis Ende dieses Jahres rechnen Experten mit verhältnismäßig hohen 3,1 Millionen Neuzulassungen, da bis August die Kaufkraft noch zunahm. Schon im Jahr 2009 soll diese Zahl auf unter 3 Millionen sinken.

Die Folgen der in den USA entstandenen Finanzkrise seien nun mehr und mehr in Deutschland und ganz Europa vor allem in der Automobilbranche zu spüren. Selbst Metropolen wie China und Japan haben mit den Auswirkungen der Situation zu kämpfen. Dudenhöffer schätzt, dass allein im nächsten Jahr zwischen 10.000 und 20.000 Arbeitsplätze in der Automobilindustrie wegfallen werden. Seine erschreckende Prognose für die nächsten 10 Jahre lautet: Streichung von 100.000 Arbeitsplätzen.

Sein Appell an alle Autohersteller: spritsparende Fahrzeuge herstellen. Diese könnten in Zukunft für eine akzeptable Kaufkraft sorgen und die Branche zusätzlich beleben. Es sei wichtig, dass die Fahrzeugindustrie zukunftsorientiert arbeitet und an die Umwelt denkt, um einerseits Schadstoffausstöße zu verringern und andererseits den Autofahrer durch niedrige Treibstoffkosten zu unterstützen.

Der derzeitige Zustand ist am besten in der Börse vorzufinden. Die meisten Kurse der Automobilhersteller sinken momentan kontinuierlich, außer einige, wenige Ausnahmen, wie beispielsweise Volkswagen. Die hohen Kurse von VW kommen allerdings keinesfalls durch hohe Verkaufszahlen zustande, sondern sind in der Übernahme durch Porsche begründet.

Einige Autowerke haben bereits Produktionspausen oder drastische Produktionssenkungen angekündigt. Die Produktionspausen sollen sich über einige Wochen hinziehen. Die Mitarbeiter dieser Werke können ihre Arbeit so natürlich nicht antreten, deshalb werden diese meist beurlaubt oder werden anderweitig beschäftigt. Insbesondere BMW leidet unter der Finanzkrise und den zurückgegangen Verkaufszahlen. Im Jahresvergleich zu 2007 verkaufte das Unternehmen 14,6 Prozent weniger Autos.

Wie es in der Branche genau weitergeht ist unklar, doch kann man mit ziemlicher Sicherheit behaupten, dass die Produktionszahlen auch in Zukunft sinken werden und das die Automobilindustrie so schnell keinen „Boom” mehr erlebt. Und auch die Autozulieferer haben sehr zu kämpfen, wie man auch an den vielen Zuliefer-Betrieben im Bergischen Land sehen kann, bei denen eine Vielzahl der 400.000 Arbeitnehmer dieser Branche arbeiten.

Das Auto-Land Deutschland wankt nach einer Reihe von Quartalszahlen, die immer sehr gute Prognosen abgeben ließen, der Mittelmäßigkeit oder gar einem kleinen Abgrund entgegen. Amerika hat nun einen neuen Präsidenten gewählt – was er erreichen kann, wird sich zeigen. Am 15. November ist der erste einer Reihe von Weltwirtschaftsgipfeln in den USA angesetzt. Hier muss er beweisen, was er drauf hat, der Herr Barack Obama.

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