Daten und Fakten zur aktuellen Finanzlage Islands

Dienstag den 4.11.2008 - Abgelegt unter: Wirtschaft - Keine Kommentare »

Wer glaubt, er sei in einem schlechten Film, wenn er an Islands Bankenlandschaft denkt, der mag wohl wirklich langsam Recht haben. Inzwischen hat die Notenbank Islands den Leitzins erhöht – von 12 Prozent auf 18 Prozent. Wer versteht, was hinter dieser Zahl steht, der kann sich wirklich nur noch an den Kopf fassen, denn: Der Leitzins ist maßgeblich für die Kreditzinsen, welche Islands Banken an die Zentralbank Islands bezahlen müssen – und für die Verzinsung der Geldanlangen. Je höher der Leitzins, desto teurer sind die Kredite, die in einem Land vergeben werden. Oder eben desto mehr Zinsen bekommt man für sein angelegtes Geld.

NUR: Wieso geht Island diesen Weg? Um neue Bankkunden in sein marodes Bankensystem zu locken und ihnen die Kohle abzugreifen? Um Investitionen zu vermeiden, die dringend nötig wären, die aber nicht möglich sind durch die viel zu überteuerten Kredite? Wer Island in diesen Tagen versteht, der mag viel Weitsicht und Durchblick haben. Oder schlichtweg sehen, wie Islands Zentralbank und Islands Regierung die Menschen ihres eigenen Landes und die Menschen in der ganzen Welt aufs Glatteis führen will.

Wer sein Geld sicher anlegen will, der sollte dieses ganz sicher nicht in Island tun. Gerade hier kam es zu einem Einbruch der Währung, die binnen eines Jahres drei Viertel des früheren Wertes verloren hat. Hierdurch ist auch das Vertrauen gebremst in ein Land, das „einfach mal so“ seine drei größten Banken verstaatlicht. Deutsche Banken bieten inzwischen eine so gute Verzinsung auf Fest- oder Tagesgelder an, und das zu hundertprozentiger Sicherheit der angelegten Gelder, dass man sein Geld nicht bei Banken anlegen sollte, wo das Geld sowieso verloren gehen wird, wie auch die BayernLB merken musste, die Gelder in Island angelegt hatte.

Wichtig ist aber nun nicht nur die Sicht in die Zukunft, sondern auch, dass die Kunden der Kaupthing-Bank so bald wie möglich ihr Geld zurück fordern von der inzwischen verstaatlichten Bank. Was genau mit dem verlorenen Geld passiert ist, weiß niemand. Da Island nicht zur Europäischen Union gehört, hat natürlich niemand genauen Einblick hinter die Kulissen von Zentralbank und den drei verstaatlichen Banken.

Dennoch ist es sehr wichtig, seine Einlagen so bald wie möglich zurück zu fordern. Dazu ist es erforderlich, ein englischsprachiges Formular auf der Seite der isländischen Einlagensicherung, http://www.tryggingarsjodur.is/QA, herunter zu laden, auszudrucken, auszufüllen und UNBEDINGT per Einschreiben nach Island zu schicken. Per Einschreiben deshalb, damit hinterher niemand sagen kann, das Schreiben sei niemals abgeschickt worden. Wer nicht genug Englisch kann oder sich mit den Formularen nicht auskennt, der sollte so bald wie möglich eine Verbraucherzentrale in seiner Nähe aufsuchen und sich dort helfen lassen.

Der Einlagensicherheitsfonds Islands zahlt jedoch nur Geldanlagen in der maximalen Höhe von 20.887 Euro aus, und es kann dauern. Noch gibt es keine andere Lösung für die gut 50.000 deutschen Bankkunden der Kaupthing-Edge, welche mit sehr guten Zinsen die Sparer in die Anlagefalle gelockt hatte. Inzwischen sind die Zinsen bei deutschen Tagesgeldkoten jedoch fast ähnlich hoch und wer wirklich sicher sparen will, sollte dies bei einer Bank tun, die eine völlige Rückzahlung der Einlagen gewährt. Vielleicht wurde es an der Zeit, dass Anleger erkennen, welche Geldanlagen wirklich gut sind und welche einen in den Ruin führen können.

Das andere ist der Kauf auf Pump, der in den USA zu einem kollabierenden Finanzsystem geführt. Kredite sind eine gute Möglichkeit, sich etwas kaufen, etwas erwerben zu können, was man nicht völlig auf einmal abbezahlen kann.

Gerade im Bereich der Eigenheime ist eine gute Finanzierung das A und O. Dennoch sollte man sich darüber klar sein, dass der Kauf auf Pump erstens teurer ist, durch die Kreditkosten und die Zinsen, die dabei anfallen. Auf der anderen Seite sollte man sich nur so weit „verschulden“, wie man tatsächlich im Monat an Raten zurückzahlen kann. Sonst ist schnell der Punkt erreicht, wo ein Haushalt von Schulden zur Überschuldung gelangt, und dann wird es richtig teuer.

Übrigens: Momentan werden die Kredite günstiger und werden es auch noch mehr werden, da es in den nächsten Tagen eine weitere Senkung des Leitzinses durch die EZB – die Europäische Zentralbank – geben wird.

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