Die Auswirkungen der US-Hypothekenkrise

Montag den 20.08.2007 - Abgelegt unter: News - 2 Kommentare »

Beruhigende Worte sind derzeit von Deutschlands Wirtschaftsminister Michael Glos zu hören, wenn es um die Auswirkungen der US-Hypothekenkrise auf den deutschen Markt, das Wirtschaftswachstum und die Konjunktur geht. Doch kann man einen Krise, in deren Verlauf die Notenbanken verschiedener Länder innerhalb einer Woche rund 300 Milliarden Euro in den Markt geben mussten, weil der Liquiditätsfluss zwischen den Banken fast zum Erliegen gekommen war, einfach so beiseite schieben, nur weil sie sich auf den US-Hypothekenmarkt erstreckt? Wie bereits letzte Woche in den Wirtschaftsnachrichten verschiedener TV-Sender und Zeitungen zu lesen war, sind auch deutsche Kreditinstitute unmittelbar von dieser Krise betroffen, da sie ihrerseits entweder direkt in solche jetzt notleidenden Immobilienkredite investiert haben oder Hedgefonds beim Investment in dieselben Kredite mit großzügigen Finanzierungen unterstützten.

Wenn jetzt diese Hedgefonds aber reihenweise Verluste einfahren, dann kann wohl keine Bank mehr behaupten, es beträfe sie nicht. Noch viel weitreichender sind allerdings die Auswirkungen dieser Krise auf die weltweiten Finanzmärkte sowie das Verhalten der Banken bei der Kreditvergabe an solvente Kunden. Im Blog Rügenbote lautet die Schlagzeile dazu treffend „US Hypothekenkrise: Panik lähmt Finanzmärkte“. Wie sehr sich die derzeitige Krise auf die Finanzmärkte auswirkt, zeigt sich an den weltweiten Börsenindizes.

Alleine der DAX verlor seit Mitte Juli rund 10 und in der Spitze fast 15 Prozent von seinem Hoch. Für den Verbraucher oder Unternehmer in Deutschland stellt sich angesichts der Krise die Frage, wie die Kreditinstitute in Zukunft bei der Kreditvergabe vorgehen werden. Eine Drosselung der Vergabe benötigter Kredite auch an zahlungskräftige Verbraucher oder gesunde Unternehmen kann sehr schnell zu einem Investitionsstau führen, der sich unmittelbar auf das Wirtschaftswachstum auswirken würde.

Für ein exportorientiertes Land wie Deutschland würde sich aber eine abschwächende Nachfrage aus dem Ausland in Form sinkender Absatzzahlen und Umsätze bemerkbar machen. Daher kann kein gesunder Mensch daran glauben, dass die US-Hypothekenkrise an Deutschland spurlos vorbeigehen wird. Auch wenn nicht jede Branche in Deutschland direkt betroffen sein wird oder dies zumindest glaubt, wird sich eine Abschwächung der Konjunktur direkt auf den Konsum auswirken und auch dort zu Einschnitten führen.

So ist zum Beispiel in der Fachpresse zu lesen „Hypothekenkrise geht an deutschen Hotels vorbei“, jedoch ist dies meiner Meinung nach aus den oben genannten Gründen zu kurz gedacht. Die Kausalkette ist dabei relativ simpel: US-Hypothekenkrise -> Korrektur an den Aktienmärkten + Drosselung der Kreditvergabe -> niedrigeres Wirtschaftswachstum + Vermögensverluste der Privatanleger -> geringere Konsumausgaben -> geringere Einnahmen in Branchen, die vom Geld der Verbraucher leben.

Interessant ist auch die Frage nach den Schuldigen der Krise. Während allerorts wie so immer auf Hedgefonds-Manager und deren Finanziers gezeigt wird, sind in Wahrheit Regierung und Bankenaufsicht schuld, die es seit Jahren versäumt haben, ein Kontrollsystem einzuführen, welches auch funktioniert. Zu dieser Schuldfrage finden interessierte Leser hier einen überaus gut recherchierten Artikel: „Kreditkrise und Bankenaufsicht“.

Es bleibt abzuwarten, welche Summen an „faulen“ Krediten noch auf den Tisch kommen und wie sowohl Banken, als auch Politik und der Rest der Wirtschaft auf den Skandal reagieren werden. Wir werden diesbezüglich natürlich am Ball bleiben und regelmäßig weiter über dieses Thema berichten.

2 Kommentare

  1. Stephan Reber am

    “Die Kausalkette ist dabei relativ simpel: US-Hypothekenkrise -> Korrektur an den Aktienmärkten + Drosselung der Kreditvergabe -> niedrigeres Wirtschaftswachstum + Vermögensverluste der Privatanleger -> geringere Konsumausgaben -> geringere Einnahmen in Branchen”

    Ist diese Kausalkette wirklich richtig? Zum einen schwimmen viele Global Player in ihren Gewinnen und Barreserven, brauchen also gar keine Kredite. Zum anderen gibt es immer noch eine ungeheuer große Liquidität im Markt in Form von Kapital, das Anlagemöglichkeiten sucht, nur momentan zurückgehalten wird; wichtig sind z.B. auch Staatsfonds, China besitzt Dollarreserven in Höhe von 1200 Mrd. Börsenunternehmen holen sich also nicht nur über Kredite, sondern oftmals über neu ausgegebene Aktien oder Unternehmensanleihen, Schuldverschreibungen etc. Liquidität. Dass nicht jede zukünftige Pleitefirma unbegrenzt Kredite bekommt ist nur gesund.
    “Notenbanken verschiedener Länder innerhalb einer Woche rund 300 Milliarden Euro in den Markt geben mussten”
    das ist so nicht richtig. Hier wird in den meisten Medien falsch gerechnet: Die Summe 300 besteht zum Teil aus den gleichen Mrd., die nur jeden Tag neu für jeweils einen weiteren Tag von den Notenbanken ausgegeben wurden.
    ein theoretisches Rechenbeispiel:
    Die Notenbank hätte bei einer Höhe von 60 Mrd. fünf Tage hintereinander die addierte Summe von 300 Mrd ausgegeben, hinter der tatsächlich nur ein Umfang von 60 Mrd. steht – Stichwort Mengentender. Wenn diese Summen nicht mehr jeden Tag neu vergeben wird, hat sich die Notenbank das Geld wieder zurückgeholt und dem Markt so die Liquidität wieder entzogen, die er von der Notenbank kurzfristig wegen Panikmache zur Beruhigung bekommen hat.

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  2. admin am

    Die Rede ist ja hier nicht nur von “Global Playern” sondern den KMUs (Klein- und Mittelständischen Unternehmen), die in Deutschland nunmal den Löwenanteil der Arbeitsplätze stellen und bei denen ganz sicher ein permanenter Kreditbedarf herrscht. Immerhin ist der deutsche Mittelstand im internationalen Vergleich mit einer wesentlich niedrigeren Eigenkapitaldecke ausgestattet. Aber auch die Kreditvergabe an Privatpersonen hat einen nicht zu unterschätzenden Umfang und wenn hier in beiden Bereichen (KMUs und Privatkunden) die Bedingungen für die Kreditvergabe verschärft werden, wird sich das auf kurz oder lang mit Sicherheit auf den Konsum auswirken. Mit der Berechnung der Tender hat Stephan natürlich recht, hier wird teilweise völlig falsch gerechnet und es ist von außen auch nicht ohne weiteres erkennbar, ob es sich nun um immer wieder dasselbe Geld oder verschiedene Summen handelt, mit denen der Markt gestützt wird. Unabhängig von eventuell verschiedenen Meinungen empfehle ich jedem interessierten Leser den Blog von Stephan einmal genauer zu studieren, da dort Sachkenntnis und Kompetenz bei der Berichterstattung anzutreffen sind, wie man sie nicht oft findet.

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